2006 - Matthias Linder

Ob Zufall oder nicht: Wir bekommen für das L“Artiste Kunstblatt zum vierten Mal eine Kaltnadelradierung ab Zinkplatte. Und wieder in einem ganz anderen Stil.
Nach Mona Blatters expressivem Strich, Sabine Siegrists barocker Fülle und Anna Sommers nüchterner Präzision haben wir hier einen detailverliebten Bildaufbau in unzähligen Lagen feinster Schraffur.
Wiederum stellte sich das Problem der eingeschränkten Auflage (ab Zink mit Kaltnadel sind nicht mehr als 20 Abzüge pro Platte möglich). Matthias wollte nicht zwei separate Radierungen erstellen, und schlug deshalb mit einem Augenzwinkern die „Zwillingsradierung“ als Lösung vor: Das vollständige, duale Objekt wurde als eine Radierung ausgeführt und erst am Ende der Arbeit in die 2 Hälften gesägt.
Dabei kommt eine Besonderheit von Matthias Linders grafischer Kunst zum Tragen: Das Formen der Bildkante nach den Ge- gebenheiten des Motivs. Die Druckplatte bleibt nicht länger ein abstraktes Rechteck, sondern verbindet sich in lebendiger Weise mit dem Umriss des Objekts. Und damit wird das profane Verpackungsmaterial der Wurst nicht länger nur dargestellt, sondern umgewandelt in ein fein ziseliertes Kunst- und Schmuckstück .