2008 - Lionel Keller

In der Schulzeit machte Lionel Keller Affenbücher, dicke Hefte mit Texten und Bildern über seine Lieblingstiere. Er wollte Affenforscher werden. Später begann er Comics zu zeichnen, die er als Siebdruck vervielfältigte und im Eigenverlag vertrieb. 2002 tritt Keller in die Fachklasse Animation der Hochschule Luzern – Design und Kunst ein. Animationsfilm heisst Trickfilm. Der Künstler arbeitet zum Beispiel am Leuchtpult, wo er mehrere Zeichnungen auf durchscheinendem Papier übereinander legt. So lassen sich die Veränderungen von Bild zu Bild verfolgen. Diese feinen Veränderungen bestimmen den Ablauf im bewegten, eben animierten Bild. Zwischen 500 und 1000 Zeichnungen sind nötig für eine Minute Film.
Neben seiner Arbeit in der Animation pflegt Keller die Originalgrafik als ein ruhigeres, aber auch spontaneres Medium. Seine gebräuchlichste Technik ist - wir kennen sie von mehreren Jahresblättern - die Radierung und Kaltnadel auf Zink. Für das L'Artiste Kunstblatt hat Lionel Keller einen Holzschnitt geschaffen. Wie beim Linolschnitt druckt beim Holzschnitt das stehen gelassene Material (Hochdruck), im Gegensatz zur Radierung, bei der die Farbe aus den eingeritzten Rillen heraus druckt (Tiefdruck).
Das Bild ist unter Kellers Grafiken sowohl motivisch als auch technisch etwas Neues. Die Erinnerung an lange nächtliche Bahnfahrten, die die Familie Steiner-Keller in manchen Sommerfreien nach Sizilien unternahm, bestimmt die Wahl des Motivs. Mit dem Holzschnitt hat Keller bisher wenig gearbeitet, das Bild zeugt deshalb von keiner eingeschliffenen Routine, sondern vom lustvollen Anwenden eines neuen Mediums.

Kunstblatt Lionel Keller