2018 – Tatjana Erpen

Tatjana Erpen (*1980) befasst sich in ihrem Werk mit dem fotografischen Bild und dessen Konsequenzen. Die gelernte Fotografin studierte 2001–2005 bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern und an der AVU in Prag. Ihr Schaffen bewegt sich forschend zwischen Dokumentation und Fragestellung.

Während eines Recherche-Aufenthalts in Beirut erforscht sie Objekte und deren Bedeutung als Informationsspeicher. Sie beobachtet Objekte aus dem Bereich der Mikrogeschichte und daraus entstandene Dingagglomerationen.
Wie entstand das Material, durch welches wir uns bewegen, die Objekte, die uns umgeben, und wann entsteht Geschichte daraus?
Ist Geschichte das, was übrig bleibt, oder das was verschwindet?
Es bleibt uns nichts anders übrig, als das Sichtbare nach dem Unsichtbaren zu befragen.

Tatjana Erpen untersucht ihre Umgebung nach Berührungspunkten von Greifbarem und Geschichte. Ihre Bildwelt erscheint als Essay, als Denkversuch über die Dinge, als Zugang zu gesellschaftlichen Phänomenen und menschlicher Existenz.

Sie betrachtet, wie die Dinge geformt, geprägt, geordnet und geschichtet sind, und verwandelt Bilder mit ihrem materiellen Abbildcharakter zu materialisierten Denkbildern.

Die Edition «Fussring» zeigt die Fussmarkierung einer libanesischen Taube. Auf einem Draht sind Glasperlen in blau, gelb, rot und weiss aufgereiht. Das kleine Objekt erinnert an eine Gebetskette oder ein Schmuckstück, erscheint jedoch reduziert, als Kreis.

Fussring, Risographie auf Papier, 2018

Kunstblatt Tatjana Erpen