2009 - Hannes Egli

Die 2 Radierungen Donaukanal I und Donaukanal II habe ich im Winter 2008/09 geätzt, eine für die Sonderausgabe des Buches „Hannes Egli, Malerei“, die andere auf Einladung des Kulturvereins L‘Artiste als Kunstblatt 2009. Beide Blätter beruhen auf zeichnerischem und fotografischen Material von einem Wiener Aufenthalt im Frühling 2007. Der Donaukanal, ein träges, man könnte fast sagen brackiges Gewässer, zieht sich in langgzogenen Bögen durch die Stadt und wird von unzähligen Brücken überspannt. Auf beiden Ufern liegen breite Promenaden. Diese Zonen, ihrer tieferen Lage wegen vom motorisierten Verkehr abgesetzt, weisen eine ganz eigene Stimmung auf. Man hat als Fussgänger plötzlich Raum um sich, man ist mitten in der Stadt irgendwie draussen aus der Hektik der Strassen.
Beide Bilder leben einerseits von der geometrischen Anordnung der Bildelemente, anderseits von den atmosphärischen Wirkungen der Licht- und Schattenzonen, der Wasserflächen und Häuserfronten.
Die zwei Radierungen sind auf Kupfer ausgeführt, in einer langen, teils zähen Bearbeitung. Nach einer Atzung in Weichgrundtechnik (Vernis Mou) kamen in mehreren Lagen Strichradierung und Aquatinta, sowie Schaber, Polierstahl, Roulette und Kaltnadel zur Anwendung. Solch komplizierte Verfahren rechtfertigen sich heute nur noch, wenn es gelingt, das Sujet in seinen stofflichen, plastischen und atmosphärischen Eigenarten zu vertiefen und das Bild über die grafische Wirkung hinaus auf eine Ebene farbiger Gestaltung zu führen.